Anschlussflug verpasst: Schweizer Fluggästen stehen 122 Millionen Euro zu

Letzte Aktualisierung:

 

  • Verpasste Anschlussflüge führen unter Umständen zu einem Anspruch auf eine Alternativbeförderung und eine Entschädigung in Höhe von bis zu 600 Euro
  • Schweizer Fluggäste aus dem Jahr 2017 haben Anspruch auf Entschädigungen in Höhe von mehr als 122 Millionen Euro aufgrund von verpassten Anschlussflügen
  • Passagiere müssen bei der Buchung individuelle Umsteigezeiten an Flughäfen beachten

 

Bern, 27. März 2018. Schweizer Fluggäste haben aus dem Jahr 2017 aufgrund von verpassten Anschlussflügen Anspruch auf Entschädigungen in Höhe von über 122 Millionen Euro. Insgesamt führten im letzten Jahr rund 2.500 verspätete und ausgefallene Flüge aus und in die Schweiz zu verpassten Anschlussflügen. Das ist das Ergebnis einer Analyse des weltweit führenden Fluggasthelfer-Portals, AirHelp (www.airhelp.com).

Anschlussflug verpasst: Entschädigungen bis zu 600 Euro

Die ausführende Airline des Problemfluges muss den betroffenen Passagieren in jedem Fall eine Alternativbeförderung ermöglichen, wenn der Anschlussflug unter derselben Buchungsnummer reserviert wurde. Außerdem muss die Airline den Passagieren zusätzlich eine Entschädigung in Höhe von 250 bis 600 Euro pro Person auszahlen, wenn sie aufgrund des verpassten Anschlussfluges über drei Stunden verspätet am Zielort ankommen. Im Falle eines ausgefallenen Fluges haben betroffene Passagiere auch bei einer geringeren Verspätung am Zielort Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung.

Entschädigungssumme: Höhe ist von der Flugdistanz abhängig
Die Höhe der Entschädigungssumme hängt von der Flugdistanz ab. Diese berechnet sich bei verpassten Anschlussflügen aus der Strecke des für die Verzögerung verantwortlichen Fluges und der Strecke aller nachfolgenden Flüge. Auch vorherige Flüge können in diese Berechnung mit einbezogen werden, wenn sie ebenfalls von der Airline ausgeführt wurden, die das Verpassen des Anschlussfluges verursachte. Das gilt jedoch nicht, wenn dazwischen Teilstrecken von einer anderen Fluggesellschaft durchgeführt wurden.

Kein Anspruch auf eine Entschädigung besteht, wenn außergewöhnliche Umstände als Grund für die Verspätung vorliegen. Dazu zählen unter anderem Streiks, Unwetter und Vulkanausbrüche.

Umsteigezeiten an Flughäfen: Das muss bei der Buchung beachtet werden

Bei der Buchung von mehreren Flügen muss die individuelle Umsteigezeit an den jeweiligen Flughäfen beachtet werden. Die Umsteigezeit wird von jedem Flughafen selbst vorgegeben und kann sich je nach Flugroute unterscheiden. So können für internationale Flüge beispielsweise längere Gate- oder Terminal-Wechsel erforderlich sein, die bei nationalen Flügen nicht nötig sind. Für Anschlussflüge ab Zürich gilt beispielsweise eine Umsteigezeit von 40 Minuten. In Miami sollten 90 Minuten zum Umsteigen eingeplant werden und in Peking sogar drei Stunden.

Besonders wichtig sind diese Zeiten für Passagiere, die ihre Flüge einzeln, also nicht gemeinsam über eine Airline oder einen Reiseveranstalter, buchen. Wer seinen Anschlussflug aufgrund einer zu gering eingeplanten Umsteigezeit zwischen zwei einzelnen Flügen verpasst, hat dann keinen Anspruch auf eine Alternativbeförderung oder eine Entschädigungszahlung.

Dirk Busse, Marketing VP von AirHelp:

“Fluggesellschaften müssen ihre Passagiere besser über die nötigen Umsteigezeiten informieren. Unsere Daten zeigen nämlich, dass Passagiere ihre Anschlussflüge regelmäßig verpassen. Erst kürzlich haben wir zum Beispiel den Fall einer vierköpfigen Familie betreut, die ihren Anschlussflug in Frankfurt am Main verpasst hatte, weil ihnen an diesem großen Flughafen nicht einmal zehn Minuten zum Umsteigen blieben. Die Airline argumentierte damals, dass sich die Familie doch hätte beeilen sollen. Unfassbar! Wir von AirHelp sorgen dafür, dass Reisende wie diese Familie angemessen entschädigt werden”.

Entschädigungsanspruch noch am Gate prüfen

Mit der AirHelp-App können betroffene Passagiere noch am Flughafen prüfen, ob ihr Flug zu einer Entschädigung berechtigt. Dafür reicht es das Bordticket mit dem App-internen Boardingpass-Scanner einzuscannen. Anschließend haben Passagiere zudem die Möglichkeit AirHelp damit zu beauftragen ihr Recht auf eine Entschädigung bei der Airline geltend zu machen. Die AirHelp-App gibt es gratis im Google Play Store und im App-Store von Apple.

Nachfolgend steht eine Übersicht der Umsteigezeiten für 30 große Flughäfen zur Verfügung:

 

NummerStadtFlughafencodeUmsteigezeit (in Minuten)
1PekingBJS / PEK180
2ShanghaiPVG150 (anderes Terminal)

120 (gleiches Terminal)

3Rio de JaneiroGIG120 (internationale Flüge)
4MiamiMIA90
5SidneySYD90
6Los AngelesLAX90
7MadridMAD90

65 (nur Iberia-Flüge)

8HongkongHKG80
9DubaiDXB75
10ChicagoORD75-90 (je nach Ziel-/Herkunftsort)
11New York CItyJFK60
12BerlinTXL60
13FrankfurtFRA60
14IstanbulIST60
15LondonLHR60
16SingapurSIN60
17WienVIE60

25 (nur Star Alliance-Flüge)

18BrüsselBRU60 (innerhalb des Schengenraumes)

90

19ParisCDG60 (gleiches Terminal)

75 (zwischen Terminal 1 und 2)

90 (zwischen Terminal 1/2 und 3)

20TokioHND45

90

21JohannesburgJNB45-75 (je nach Ziel-/Herkunftsort)
22StuttgartSTR45
23Köln/BonnCGN45
24DüsseldorfDUS45
25HamburgHAM45
26RomFCO45
27AmsterdamAMS40
28MünchenMUC40
29ZürichZRH40
30AtlantaATL35-85 (je nach Ziel-/Herkunftsort)

Tabelle 1: Umsteigedauer bei Anschlussflügen von 30 internationalen Flughäfen